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Es geht rund rund ums Rathaus

Text Beate Steiner Ausgabe 03/2017

Das Innenstadt-Viertel zwischen Rathausplatz, Heßstraße, Linzer Straße und Promenade formt sich neu. Magistrat und einige private Player formen mit. Die Pläne sind konkret.

Intensiv“ ist das Wort dieser Tage im Kontext mit geplanten Bauvorhaben in der St. Pöltner Innenstadt. „Intensive Gespräche“ laufen nämlich über eine Wohnanlage in der Linzer Straße, über das LT1 am Linzer Tor, über das Haus der Zukunft in der Heßstraße und über das Großprojekt am Karmeliterhof. Allesamt Vorhaben, die das umsortierte Rathausviertel in Zukunft prägen werden. Die Pläne dafür sind konkret, manche seit Jahren. Allen Projekten ist auch gemeinsam, dass sie sich zurzeit in einer heißen Phase befinden – und umgesetzt wird, wenn sich diese abgekühlt hat, wenn also die optimierten Verträge unterschrieben, die optimalen Partner gefunden, die beeinspruchenden Anrainer überzeugt und die Eigentumsverhältnisse geklärt sind. Eins ist sicher: In wenigen Jahren wird sich die Altstadt zwischen Rathausplatz, Linzer Straße, Promenade und Heßstraße massiv verändert haben. Denn umgesetzt werden diese Vorhaben ganz sicher.

Das Großprojekt am Karmeliterhof. 2010 stimmt der Gemeinderat dem Verkauf des Areals zwischen Promenade, Löwenhof, Karmeliterkloster und Heßstraße zu. Die Projektentwicklungsgesellschaft von Peter Lengersdorff und Michael Rieder soll dort ein Projekt mit Wohnungen und Büros realisieren. Außerdem soll sich das Stadtmuseum in diese Richtung ausdehnen können und eine Tiefgarage die Rathausgarage ergänzen. „Das Projekt lebt“, betonte Michael Rieder damals, „es kann noch wachsen und sich verändern.“ Abgewickelt wurde der Kauf des 6.500 Quadratmeter großen Areals dann 2014. In diesem Jahr waren auch erstmals Wohnungsgenossenschaften am Standort Karmeliterhof interessiert. Denn die Stadt verlangte im Projekt geförderte Wohnungen. Im Sommer 2016 waren alle rechtlichen Unklarheiten zwischen Stadt und Projektbetreibern beseitigt, neue Wegerechte und Grenzverläufe waren festgelegt. Anfang dieses Jahres sind dann die ersten Baumaschinen zu Sondierungsbohrungen aufgefahren. „Die Vorzeichen für einen zeitnahen Baubeginn stehen gut“, sagt Michael Rieder, „das vorgestellte Projekt wird realisiert, es finden intensive Gespräche mit diversen Investoren und Vertragspartnern statt.“

Das LT1 am Linzertor. Am Linzertor soll als Initialzündung zur Belebung der Linzer Straße auf 3.650 Quadratmetern ein Büro- und Geschäftshaus entstehen, ursprünglich mit dem Möbelhaus Weinhofer im Erdgeschoß, Büros von Rechtsanwalt Anton Hintermeier und der Agentur Living Office sowie Wohnungen. Initial gezündet wurde rasch mit dem Abriss der Maderna-Villa und der Adaptierung des Geländes im Jahr 2011. In den letzten Jahren haben sich die Eigentümerverhältnisse und das Projekt etwas geändert. Kommunikationsberater Martin Bosch ist mit seiner Agentur „Living Office“ aus-, Steuerberater Franz Höchtl eingestiegen. Wie es weitergeht, entscheidet sich in den nächsten Wochen: „Wir führen intensive Gespräche“, bestätigt Eigentümervertreter Anton Hintermeier.

Das Haus der Zukunft. Im März 2016 war fix, dass St. Pölten als Gegenstück zum Haus der Geschichte ein Haus der Zukunft bekommt. Als moderne Bibliothek und als niederschwellige Einrichtung, die vom Buch hin zu den Labors führt und Basisbildung erlebbar macht. 3.000 Quadratmeter Fläche sollen da zukunftsorientiert bespielt werden. Dafür wird Architekt Wolfgang Pfoser das „Wesely-Haus“ in der Heßstraße viergeschoßig umgestalten. Im Erdgeschoß soll eine auf neuesten Stand gebrachte Bibliothek einziehen, der Mittelteil wird zum Science-Center, für das FH-Professor Hannes Raffaseder bereits ein Konzept geschrieben hat. Beim Umbau bleibt die für die 1960er-Jahre typische „fragile Wabe“ erhalten, dank des Stahlkonstrukts kann aufgestockt werden, soll sogar ein Planetarium geben. „Das markante Gebäude schreit nach urbanem Inhalt“, ist Eigentümer Martin Bosch von der futuristischen Belebung des ehemaligen Autohauses begeistert. Im Jänner wurden die Grundstücksgrenzen arrondiert und das dahinterliegende Rossmarkstüberl abgerissen. Es machte Platz für einen atriumartigen, multifunktionalen Raum für das kommende Haus der Zukunft. Baustart soll in den nächsten Wochen sein. Vorher gibt es allerdings noch intensive Vertrags-Matches zwischen der Stadt und Eigentümer Martin Bosch, weil geklärt werden muss, in welcher Rolle die Stadt in dieses Projekt einsteigt.

Das Wohnprojekt im alten Pressehaus. Ein spektakuläres Wohnprojekt im Zentrum der Stadt wurde im Frühjahr 2015 präsentiert: Eigentümer Immofinanz wollte das Haus Linzer Straße 3-5 zur Wohnanlage mit über 30 Einheiten, inklusive Kinderspielplatz und Tiefgarage umbauen. Entstehen sollten drei verschiedene Gebäudeteile in St. Pölten-typischer Hof-Struktur mit Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen. Das alte NÖ Pressehaus im Fußgängerzonenteil der Linzer Straße, vielen als ehemaliges „Kleiderbauer-Haus“ bekannt, hatte jahrelang auf eine Revitalisierung gewartet und musste nach der Ankündigung weiter warten.
Jetzt kommt jedoch Bewegung in das Projekt: Die Immofinanz hat das Objekt wegen einer„strategischen Neuausrichtung“ Ende 2016 verkauft, bestätigt Unternehmenssprecherin Bettina Schragl: „Objekte, die nicht länger in unser Kernportfolio passen, geben wir ab.“
Käufer der Top-Immobilie ist der Wiener Rechtsanwalt Helmut Rieger, der seit Jahren im Immobilienbereich tätig ist. Rieger will das Projekt wie ursprünglich geplant realisieren. „Wir sind in der Zielgeraden. Im Herbst ist voraussichtlich Baubeginn, wenn wir in den nächsten Wochen alle Genehmigungen bekommen“, so der Investor.

Es werde Licht in der „Dark Road of the Town“. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass „MFG“ über Hoffnungsschimmer in der Linzer Straße berichtet hat. Das LT1 am Linzertor, das Karmeliterhof-Projekt und die Revitalisierung des Hauses Linzer Straße 10-12 sollten dabei eine Rolle spielen. Letzteres ist in Arbeit, über 400 Quadratmeter Wohnnutzfläche kommen durch die Sanierung dazu, die Stadt als Eigentümer hofft dabei auf einen Domino-Effekt bei anderen Hausbesitzern. Die sind wie die Mieter und die Stadt auch beim Grätzl-Plan gefragt, der neues Leben in die siechende Straße bringen soll. Gemeinsam mit dem Architekten Andreas Aichberger soll ein Konzept entwickelt werden, das „die Aufenthaltsqualität erhöht und die Linzer Straße wieder als Wohnort attraktiv macht.“ Konkret sollen also die Liegenschaften entwickelt und der öffentliche Raum attraktiviert werden. Wesentlich ist für Aichberger die Erdgeschoßzone. „Geschäfte, Kreativberufe, Büros, Lokale – ein guter Mix aus all diesen Bereichen sollte in der Linzer Straße möglich sein. Vieles davon gibt es ja bereits“. Aichberger will noch im Frühjahr die fertigen Grätzel-Pläne vorstellen.
Ein Leitprojekt ist bereits fix beschlossen: Der Eingang der Bühne im Hof wird von der Julius-Raab-Promenade wieder in die Linzer Straße verlegt. Damit ist der Kulturbetrieb wieder besser an das Stadtzentrum angebunden. Gleichzeitig sollen ein überdachter Eingang in den Innenhof und ein größeres Foyer entstehen die Gastronomie bleibt, wie Thomas Gludovatz bestätigt, Geschäftsführer der NÖ Kulturwirtschaft: „Wir leisten damit einen gewissen Beitrag zur Belebung der Linzer Straße. Abgestimmt mit dem Baudirektor der Stadt werden wir die Logistik gut hinkriegen.“ Umgebaut wird während der Sommerpause, eventuell sogar auf zwei Etappen: „Die Bühne im Hof soll weiter organisch wachsen“, so Gludovatz.

Magistrats-Rochaden im Rathausviertel. Die Stadtgemeinde selbst ist Eigentümer von insgesamt fünf Liegenschaften in der Linzer Straße und geht nicht nur beim Haus Linzer Straße 10-12 mit gutem Beispiel voran. Auch das Stadtwerkehaus am Linzer Tor wird aufgestockt und ausgebaut, im Sinne des Konzepts für das Rathausviertel. Diese Neustrukturierung der städtischen Verwaltung soll Effizienz und kurze Wege für die Bürger bringen. Die Arbeiten im Stadtwerkehaus sollen bis zum Sommer abgeschlossen sein, berichtet Christoph Schwarz, Leiter der Stabsabteilung „Zukunftsentwicklung, Wirtschaft und Marketing“.
Am Linzer Tor einziehen wird dann das Technische Büro des Magistrats, das derzeit in der Prandtauerstraße residiert. Auch das Büro des Abwasserverbandes sowie der Bereich Geoinformation werden hier angesiedelt. Im Haus bleiben wird die Verwaltung der Städtischen Fernwärme.
    Dann werden die frei werdenden Räume in der Prandtauerstraße umgebaut, denn das Schulamt, das sich derzeit am Rossmarkt befindet, zieht zur Kulturverwaltung.
Die Polizei-Inspektion in der Linzer Straße wiederum zieht im Juni zum Bahnhof. In die frei werdende Inspektion auf der Hinterseite des Rathauses ziehen die Bezirksverwaltungsbehörde und die Baupolizei ein. Der Umbau mit Durchbruch zum Rathaus ist bis November geplant. Damit ist dann das Verwaltungshaus in der Josefstraße frei, das das Tauschobjekt für die Linzer Straße 8 ist.
    Mit einem Durchbruch in die Rathausgasse 2 wurde das Rathaus bereits vergrößert. „Hier werden die ‚außenwirksamen‘ Stellen des Magistrats angesiedelt“, verrät Chris­toph Schwarz. Er wird dort ebenso sein Büro beziehen, wie die Mitarbeiter des Stadtmarketing, des Tourismus des Convention Bureaus sowie der Wohnservicestelle. „Durch den Durchbruch im 1. und 2. Obergeschoss entsteht ein barrierefreier Zugang vom Rathaus, wo der offizielle Eingang sein wird“, so Schwarz. Die Tourismusstelle wird ins ehemalige Raiffeisen-Reisebüro in der Rathausgasse 2 einziehen.
In der Heßstraße ist bereits das Gesundheitshaus mit den Bereichen Gesundheit, Soziales und Wohlfahrt entstanden
Der Gestaltung des Rathausbezirks liegt ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderates zugrunde, der damit Synergien in der Verwaltung durch räumliche Nähe erzielen will.

Die City formt sich neu. Zu obigen Kern-Vorhaben im Rathausviertel kommen noch zahlreiche andere Projekte, die der Altstadt ein neues Aussehen geben werden: Am Neugebäudeplatz werden die Handelsflächen inklusive Tiefgarage revitalisiert. Die alte Gebietskrankenkasse ist bereits abgerissen und weicht Wohnungen. Der Schillerplatz wird attraktiviert und bespielt. All das ist bereits im Laufen, wie die vielen Kräne und Bagger zeigen. Die Innenstadt könnte sich also bis zum Jahr 2020 ziemlich gemausert haben. Denn auch die Projekte, über die noch intensiv gesprochen wird, sollten bis dahin in der Realisierungsphase sein.