MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Eingekastelt

Text Beate Steiner Ausgabe 09/2018

Ich bin schwarz und du bist weiß – da brauch’ ma keinen Arbeitskreis. Nach diesem Motto funktioniert unsere Welt, auch unsere kleine, da in St. Pölten. Es lebt sich ja viel leichter in einem winzig kleinen Kastl mit eng vorgegebenen Grenzen, da ist alles klar und überschaubar. „Das Frequency macht Müll und Müll ist grauslich, also ist das Frequency grauslich“, ist doch klar.  Andrerseits: „Das Frequency ist ein fröhliches Fest, das St. Pölten sympathisch macht. Was soll die Suderei mit dem Müll, ihr Spielverderber?“ Der olivfarbene Kerl, der die Handtasche gefladert hat, ist kein St. Pöltner, ist ein Fremder. „Ein Fremder ist ein Flüchtling – da muss ich mich doch vor  olivfarbenen Kerln fürchten und beten, dass kein Flüchtling in mein schwarzes Kastl kommt.“ Andrerseits: „Niemand ist böse – willkommen in meinem weißen Kastl.“
Apropos Kastl: Handys werden aus den Schulen verbannt, dürfen nur mehr in der Pause genutzt werden – damit die Kids nicht face to face miteinander reden müssen. Im Unterricht könnten  Smartphones zwar als Laptop-Ersatz oder digitales Buch fungieren oder als Fotoapparat beim Lehrausgang in den Schulgarten. Geht gar nicht. Solche phantasiegeschwängerten Ideen passen doch nicht ins Denk-Kastl der Ober-Lehrer. Die ziehen sich in ihre Meinungshüllen zurück, sind überzeugt davon, dass es nur einen richtigen Weg gibt – den ihren. Dabei ist die reale Welt außerhalb der schwarzen und weißen Kasterl bunt und vielfältig und bereichernd. Und: „Outside-the-Box“-Denken lässt die eingerosteten Hirnwindungen fröhlich quietschen — das tut nicht weh!