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Ein neuer Bischof – was wohl die Herde dazu sagt?

Text Jakob Winter, Georg Renner Ausgabe 09/2018

GEORG RENNER
Der Wilhelmsburger arbeitet als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“.
Ohne Transparenz wird eine Institution schwächer, nicht stärker.


Die katholische Kirche ­– meine Kirche, um das gleich gesagt zu haben – ist eine feudale Organisation. Sämtliche Entscheidungen werden hier an der Spitze getroffen – der Papst legt fest, was die Lehre besagt, besetzt die vatikanischen Behörden und, vor allem, er allein ernennt Bischöfe. Die wiederum sind nur dem Papst verantwortlich dafür, wie sie die Diözesen führen, wen sie als Priester einsetzen, wie sie mit dem Kirchenvermögen umgehen. Der einfache Christ hat dabei wenig mitzureden, auch die einzelnen Priester und die anderen Bischöfe im Land, nicht einmal der Kardinal, können den Fehler eines Bischofs gegen seinen Willen korrigieren.
Diese Organisation hat der Kirche über Jahrhunderte enorme Stabilität verschafft: Zentralismus, gepaart mit einer starken Stellung des Mannes vor Ort war das Erfolgsrezept, das sie durch all die Wirren vom Mittelalter an bis nach den Weltkriegen zur größten Institution der Erde gemacht hat. Egal wie groß das Chaos rundherum, wie reich oder arm das Land rund um sie herum war: Die Kirche war ein Hort der Stabilität.
Nur: Es ist ein wenig aus der Zeit gefallen, sich so zu organisieren. Ohne jede Form von Mitbestimmung durch die Basis, ohne Transparenz zu existieren, macht eine Institution in Zeiten, in denen Menschen auf allen Ebenen mobiler geworden sind, nicht stärker, sondern schwächer.
Der neue St. Pöltner Bischof Alois Schwarz könnte diese Lektion gelernt haben. In der Diözese Gurk-Klagenfurt, der er die vergangenen 17 Jahre lang vorgestanden ist, wiegen die Verdachtsmomente gegen ihn schwer: Günstlingswirtschaft, dubiose Rechnungen, der Einsatz von Spionen gegen Kritiker werden Schwarz Recherchen von „News“ zufolge zur Last gelegt. Wirtschaftsprüfer sind am Werk, Schwarz selbst hat dem Vatikan seine Sicht der Dinge übermittelt.
Die negative Sicht der Dinge wäre jetzt: Was haben sie uns da für einen vorgesetzt. Die positive: Da ist jemand, der aus seinen Fehlern lernen kann. Die Geschichte von Saulus zu Paulus zu bemühen wäre übertrieben – aber viel mehr als Hoffnung, dass Schwarz es in St. Pölten besser macht als in Kärnten, bleibt einem Gläubigen eben nicht.



JAKOB WINTER
Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.
Die Besitztümer der Diözesen sind der letzte reale Machtfaktor der Bischöfe.


Die obersten Hirten der Kirche hatten es schon einmal leichter. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Männer Gottes als unfehlbar galten. Und so ist auch Alois Schwarz nicht zu beneiden, der jüngst den vakanten Bischofssitz der Diözese St. Pölten übernahm.
Zwar sinkt die Zahl der Katholiken in Niederösterreich weniger rasant als anderswo. Doch die Bindung der Bevölkerung zur Kirche wird brüchig. Höchstens jeder zehnte Gläubige besucht noch Gottesdienste, die kirchliche Trauung gerät in Städten zum Auslaufmodell und das Priesteramt zählt unter Burschen nicht eben zu den beliebtesten Karrierezielen.
Der Riss, der sich durch die gesamte Gesellschaft zieht, macht auch vor den Katholiken nicht Halt. Auf der einen Seite stehen die Verfechter der christlichen Soziallehre, die sich in der Caritas und anderen Hilfsorganisation engagieren. Auf der anderen Seite wächst die Gruppe jener, die der Kirche ihren humanistischen Flüchtlingskurs übelnehmen. Da lehnt sich ein Bischof lieber nicht allzu weit hinaus.
Ungemach droht auch aus den eigenen Reihen: Eine besonders kritische Gruppe an Geistlichen schloss sich zur Priesterinitiative zusammen und mahnt liberale Reformen ein – vom Ende des Zölibats (es verbietet Priestern die
Heirat) bis hin zu mehr Transparenz bei den Finanzen der Kirche.
So verständlich diese Forderungen sind: Die Bischöfe scheuen Vermögenstransparenz wie der Teufel das Weihwasser. Denn die Besitztümer der Diözesen sind ihr letzter realer Machtfaktor. Wäre bekannt, auf welchen Schätzen sie sitzen, hätten sie wohl eine Debatte am Hals, wie diese Mittel am besten einzusetzen sind. Deshalb ist Schweigen das oberste Gebot. Seit einigen Jahren sind immerhin die laufenden Budgets öffentlich. Der Bischof von St. Pölten verfügt über einen Jahresetat von 56 Millionen Euro.
Und zumindest eine besonders wichtige Besitzung ist bekannt: Die Regionalzeitung NÖN steht zu 80 Prozent im Eigentum der Diözese. Welche Grundstücke, Immobilien und Kunstwerke sie sonst noch ihr Eigen nennt, bleibt wohl auch unter Schwarz ein gut gehütetes Geheimnis.