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St. Pöltens gute Seite

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Die Sache mit dem Commitment

Text Johannes Reichl Ausgabe 03/2017

St. Pölten erstellt gemeinsam mit Umlandgemeinden eine „Kulturpotenzial-Studie“ – die Hoffnung mancher, dass damit auch schon indirekt an einer Bewerbungsgrundlage für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 gearbeitet wird, könnte verfrüht sein. Wir sprachen mit dem Bürgermeister über den Status Quo.

Welchen Hintergrund hat die Studie, die St. Pölten gemeinsam mit den Umlandgemeinden in Sachen „Kulturpotenzial“ finanziert? Allgemeines Eruieren von Synergien oder tatsächlich explizite Grundstoßrichtung „Kulturhauptstadt“?
Die Aufgabe der Studie im Auftrag der sechs Gemeinden ist es, das kulturelle Profil und die vorhandenen Potenziale von St. Pölten, Herzogenburg, Wilhelmsburg, Traismauer, Böheimkirchen und Ober-Grafendorf zu erheben und darzustellen. Darauf aufbauend sollen die Gemeinsamkeiten im Bereich Kultur analysiert werden, wobei die thematischen Schwerpunkte der gesamten Region St. Pölten dargestellt werden sollen. In weiterer Folge sollen daraus die Potenziale des kulturellen Feldes abgebildet werden. Dies kann beispielsweise die Bereiche Stadtentwicklung, Kultur/Kulturtourismus, kulturelle Teilhabe, Wandel der Identitäten, internationaler bzw. europäischer Kulturaustausch, Integration u. ä. betreffen.

Welche Rolle spielt dabei das Thema Kulturhauptstadt 2024? Spielt es eine?

Die Studie soll in erster Linie Grundlage für eine mögliche künftige Zusammenarbeit und Strategieentwicklung der sechs Gemeinden und ihrer gemeinsamen Region sein, sie soll aber auch die Chancen, respektive Sinnhaftigkeit der Bewerbung der Region als europäische Kulturhauptstadt 2024 prüfen.

Wie sieht in dieser Frage die Achse zu Krems aus – gibt es diesbezüglich Einbindungspläne in eine etwaige Bewerbung?
Krems ist im Zentralraum ein wichtiger und in Wahrheit unverzichtbarer Partner!

Stimmt Sie die Aussage der designierten Landeshauptfrau, etwaige Möglichkeiten um die Bewerbung St. Pöltens ernsthaft prüfen zu wollen, zuversichtlich?

Ich habe die Aussage von Frau Mikl-Leitner nicht persönlich gehört, wie ich der NÖN vom 28.2. aber entnehmen kann, war die Antwort auf die Frage ein neues Landesveranstaltungszentrum und die Kulturhauptstadt betreffend sehr offen gehalten („Natürlich ist dabei auch die mögliche Bewerbung als Kulturhauptstadt ein Thema. Sobald ein Konzept und eine Kalkulation am Tisch liegen, werden wir das genau prüfen.“ ÖVP-Aussendung vom 24.2., Anm.d.Redaktion) Wenn die Kulturhauptstadt bzw. Kulturhauptstadtregion St. Pölten eine Chance haben soll, wird man ein klares Bekenntnis vom Land Niederösterreich und vom Bund brauchen!

Wird man, wie gefordert, ein fertiges Konzept samt klarem Kostenrahmen erarbeiten, das man den potenziellen Fördergebern dann vorlegen kann? So ja, bis wann?

Wie ich schon mehrfach betont habe, ist die Studie, die Anfang Juli fertiggestellt sein soll, eine wichtige Grundlage für eine Bewerbung, sie ist aber nicht allein ausschlaggebend für die Bewerbung. Ohne die Bereitschaft des Landes hier mitzuziehen, wird eine Bewerbung illusorisch sein. Daher macht es auch nicht viel Sinn, mit einem fertig ausgearbeiteten Konzept, das man ja nicht so nebenbei macht, beim Land zu erscheinen, um dann zu hören, dass man diesbezüglich ganz andere Vorstellungen hat. So etwas muss meines Erachtens von Anfang an gemeinsam angegangen werden, sonst geht da gar nichts.

Wie beurteilen Sie die Chance, dass sich St. Pölten bewerben wird? Möchte das offizielle St. Pölten sich überhaupt bewerben?
Natürlich würde ich eine Bewerbung als Chance für unsere Stadt sehen. Und wir haben auch eine tolle Kulturszene, die sich in Richtung Bewerbung sehr aktiv engagiert. Dennoch werden die Ergebnisse der Städte-Studie wichtige zusätzliche Hinweise bringen, die berücksichtigt werden müssen, und ohne ein Commitment mit dem Land wird – wie bereits gesagt – hier sicherlich nichts gehen.