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St. Pöltens gute Seite

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Der SKN erfindet sich schon wieder neu

Text Thomas Schöpf Ausgabe 03/2017

Die Basis für eine mittelfristig gesicherte Zukunft hat der SKN St. Pölten mit seinen mittlerweile 14 strategischen Partnern gelegt. Künftig sollen Investoren das Klubbudget beim Hire and Fire-Klub auf über zehn Millionen Euro pro Jahr anheben.

35 personelle Veränderungen hat der SKN St. Pölten im Spieler-Kader der Profis seit dem Meistertitel in der Ersten Liga vergangenen Mai vorgenommen. Im Oktober tauschten die „Wölfe“ den Chef-Trainer. Jochen Fallmann ersetzte Karl Daxbacher zunächst interimistisch und seit dem 23. Dezember fix. Co-Trainer wurde erst Thomas Nentwich (anstelle des beförderten Fallmann), dann wurde es für den beruflich doch zu sehr eingedeckten Nentwich auf Weisung von Sportdirektor Frenkie Schinkels Marcel Ketelaer. Vorher hatte mit Christoph Muezell schon ein weiterer Assistenz-Trainer den Verein verlassen; und mit Alexander Marchat wurde auch noch ein Videoanalyst eingestellt. Bis dahin stand diese Tätigkeit auf der Agenda von Maskottchen „Lupo“ alias Harald Schmid. Marchat war es auch, der die weltweit für Schlagzeilen sorgende Schlägerei zwischen Daniel Lucas Segovia und Alhassane Keita um die Ausführung eines Elfmeters im Testspiel gegen Mannsdorf filmte und somit für den Bildbeweis für deren fristlose Entlassung sorgte. Die wiederum hatte den Erwerb von Mittelstürmer Lonsana Doumbouya zur Folge, der knapp vor Ende der Transferzeit seine Vertragsauflösung beim schottischen Ligaschlusslicht Inverness provozierte und somit ablösefrei zum SKN wechseln konnte.
Obwohl es auf dem Personalsektor des SKN zugeht wie auf einem türkischen Bazar, fährt das Wolfsrudel in der Ära Fallmann kontinuierlich wertvolle Punkte ein im Abstiegskampf. Seit der Radlberger am Ruder ist, haben die „Wölfe“ in elf Meisterschaftsspielen satte 17 Punkte eingefahren, dazu noch Sturm Graz im Achtelfinale des ÖFB-Cups daheim niedergerungen. „Spielerisch glanzvoll ist es nicht, was wir derzeit abliefern“, gibt Offensivspieler Manuel Hartl zu, „aber darum können wir uns dann kümmern, wenn der Klassenerhalt geschafft ist, jetzt zählen nur die Punkte.“ Auf dem holprigen Geläuf der NV Arena vermag ohnehin kein Team einen gepflegten Kick aufzuziehen. Laut Umfrage unter den Spielern ist es der schlechteste Rasen der Bundesliga; und wird nach dem Ende der Meisterschaft ebenso ausgetauscht wie im April der Rasen des Trainingsplatzes der Wölfe.

Selbst Erwin Pröll kann ersetzt werden. Die größte Herausforderung des Klubs wird jedoch der Abgang von Erwin Pröll als Landeshauptmann von Niederösterreich. Seine Weisungen haben den Stadionbau überhaupt erst ermöglicht und auch bei dem einen oder anderen wichtigen Sponsor hat der Edel-Fan und Schinkels-Spezi die sprichwörtliche Rutsche gelegt. Generalmanager Andreas Blumauer relativiert: „Der Herr Landeshauptmann hat uns zunächst sehr geholfen, war zuletzt aber nur mehr Gast bei uns in der NV Arena.“ Dessen Nachfolgerin hat er noch nicht kennen gelernt. „Ich freue mich aber, Frau Mikl-Leitner schon bald bei uns begrüßen zu dürfen.“ Blumauer hat sich sogar das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020 das Vereinsbudget von derzeit kolportierten vier Millionen Euro auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Saison anzuheben und will für Investoren die Türe weiter aufstoßen. „Das heißt aber nicht, dass die bei uns mitentscheiden dürfen. Das werden weiterhin nur die strategischen Partner“, stellt er ebenso gleich klar. 14 sind es aktuell, die für den regelmäßigen Austausch mit dem SKN unabhängig vom Sponsoring ihrer Firmen noch extra einzahlen und dafür bei diversen Weichenstellungen dabei sein dürfen. Die Investoren sollen an Spielerrechten beteiligt werden und diverse Marketing-Zuckerl des Klubs als weitere Gegenleistung bekommen, wie das bereits bei der Rückholung von Publikumsliebling Cheikhou Dieng passiert ist. Der Offensivspieler wurde im vergangenen Sommer an den türkischen Top-Klub Medipol Basaksehir verkauft und im Jänner für ein halbes Jahr leihweise zurückgeholt. Dessen mittlerweile fünf Mal so hohes Gehalt stemmen nun z. T. andere. Transferbeteiligungen verbietet die FIFA freilich ebenso wie die Mitsprache von Sponsoren oder „Gönnern“ beim Transferziel der Fußballer. Diese Vorgabe gilt es tunlichst zu umkurven, sonst ist mit schlimmsten Konsequenzen seitens des Fußball-Weltverbandes zu rechnen. Keinerlei Beanstandungen befürchtet Blumauer auch bei der bevorstehenden Lizenzvergabe seitens der österreichischen Bundesliga, hier habe man die Hausaufgaben schon alle rechtzeitig erledigt.
Wie interessant ausgewählte Spieler des SKN für Dritte sind, hängt freilich vorrangig vom Klassenerhalt ab. Der Marktwert von Aushängeschild Dieng ist beispielsweise alleine durch die Rückholung gefallen, da er sich zuvor in der höher eingeschätzten türkischen SüperLig auch aufgrund von Verletzungen (noch) nicht durchsetzen hat können. Jener von Kevin Luckassen ist hingegen gestiegen, weil er mit Doumbouya nun nur mehr einen Mittelstürmer vor sich im Kader hat, nachdem Segovia und Keita rausgeworfen worden sind. Die große Fluktuation beim Hire and Fire-Klub garantiert zumindest ständig wechselnde Kurse, und wie hat Blumauer doch so schön gesagt: „Wir sprechen mit Menschen, die Geld haben, aber nicht von klassischen Werbeflächen profitieren. Das sind Leute, die sonst Aktien kaufen und bewusst ein Risiko eingehen.“


"Der Herr Landeshauptmann hat uns zunächst sehr geholfen, war
zuletzt aber nur mehr Gast bei uns in der NV Arena."
Andreas Blumauer