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Der nächste Tritt ist der schönste

Text Thomas Schöpf Ausgabe 09/2014

Wenn Karl-Heinz Sonner sich aufs Rad schwingt, steigt er so schnell nicht wieder ab. Wenn es ihn juckt, fährt er zum Radurlaub nach Italien schon mal mit dem Rad hinunter und freut sich auch noch darüber, wenn die Bergpässe kommen.

Sonntagnachmittag war gerade noch ein Terminfenster frei. Karl-Heinz Sonner erscheint pünktlich auf die Minute zum vereinbarten Gespräch in der Seedose beim Viehofner See. Die tägliche Radeinheit hat er hinter sich, diesmal „nur“ 80 Kilometer. Der 46-jährige ÖBB-Beamte ist voller Vorfreude auf den Italien-Urlaub. In Riccione wird in einem Bike Hotel eingecheckt und jeden Tag mit Gleichgesinnten ausgefahren. „Oft ist ein Guide mit. Aber wenn ich mit meinem deutschen Freund Thorsten vorne fahre, verlieren wir meistens bald alle. Der Thorsten drückt gern voll an und wenn wir bei starkem Gegenwind richtig anstarten, ist plötzlich keiner mehr hinter uns.“
Sonner fährt Rennen wie das Race Across America (RAAM) von der amerikanischen Westküste zur Ostküste über 4.800km, oder von Bregenz nach St. Pölten in 36 Stunden (nonstop) für einen guten Zweck, oder spult an einem Samstag im EKZ Traisenpark 330km am Laufband und am Ergometer herunter.
Begonnen hat die Pedalleidenschaft während des Präsenzdienstes. „Irgendwann bin ich dann jeden Tag nach Melk in die Kaserne geradelt“, erinnert sich Sonner. Zwischendurch entdeckte er auch die Liebe zum Triathlon, wurde siebenfacher Landesmeister über die Kurz- und Mittel-Distanzen und im Mixed-Team als Radfahrer Europameister im Ultra-Tripple-Triathlon und dreifacher Weltrekordhalter. Dieser Bewerb geht über 11,4 km Schwimmen, 540 km Radfahren und 126,6 km Laufen.
Mittlerweile gilt Sonners Hauptaugenmerk wieder dem Drahtesel. „Im Oktober fahre ich noch viel allein im Freien, dann steige ich bei den Querfeldeinrennen ein. Da habe ich zwar gegen die Spezialisten keine Chance, aber im Gatsch fahren voll am Anschlag im roten Bereich, das taugt mir auch“, sprüht er gleich wieder voll Energie. Nachsatz: „Langlaufen tu ich auch noch zum Ausgleich.“
Das Training steuert er selbst. Sonner machte 2002/2003 die Ausbildung zum Fitnesstrainer im BAFL Graz und erweiterte selbige mit mehreren Modulen. Heuer machten ihm mehrere Verletzungen zu schaffen, so musste er sich Venen ziehen lassen und eine Patellasehnenreizung auskurieren. „Sonst komme ich auf 18.000 bis 20.000 Trainingskilometer pro Jahr. Nächstes Jahr werde ich wieder durchstarten.“
Im April und Mai wird Sonner ein paar Aufbau-Marathonrennen radeln, um dann im Juni für das Langstreckenrennen von Oslo nach Trondheim über 560km gerüstet zu sein. „Das ist auch landschaftlich unglaublich schön.“ Wenig später steht der „Giro delle cinque regioni“ von Klagenfurt nach Radda in Chianti (ITA) über 1.000km an, im August das Projekt „Race around Austria“. Beim RAAM sind ja immer wieder Österreicher vorne mit dabei. „Ich glaube das liegt daran, dass wir hier so gute Voraussetzungen haben, in der Ebene und in den Bergen fahren können. Die Amerikaner fahren entweder nur im Flachen oder müssen in die Rocky Mountains. Jedes Mal wenn wir beim Race Accross America die Berge erreichen und die ersten Steigungen mit 14 bis 17 Prozent, brechen die weg“, weiß Sonner, der beim Training in Cesenatico (ITA) auch die leider viel zu früh verstorbene Legende, Bergspezialist Marco „Elefantino“ Pantani kennenlernen durfte.

Weil es gesund ist. Sonner radelt und läuft jedoch nicht nur für sich, sondern schon seit mehreren Jahren im Rahmen diverser Charity-Aktionen für den „Club 81“. „Das bringt dann doppelt was “, freut er sich. Beim Duathlon im Traisenpark konnte er letztes Jahr über 2.500 Euro an Spendengeldern lukrieren. 2015 plant Sonner mit der Geschäftsführung dort gleich einen „Gesundheitstag“ zu veranstalten.
Besonders am Herzen liegen ihm Kinder. Am 3. Oktober wird er deshalb in der BBAKIP/BBASOP St. Pölten und in der Hauptschule Prinzersdorf im Rahmen der Aktion „LaufWunder“ mit den Schülern die Laufschuhe schnüren. „Weil es gesund ist.“ So lautet auch das Motto seiner vor kurzem gegründeten Rad-Crew. „So acht bis zehn Leute sind wir schon. Ich bin gerade dabei die Dressen zu organisieren, habe schon ein paar Sponsoren an Land gezogen, die das ganz toll finden.“ Dann sieht er den Chef der Seedose: „Ihn muss ich demnächst auch unbedingt ansprechen. Seit kurzem mache ich Stand Up Paddling. Das wäre doch toll, wenn wir hier am See vielleicht niederösterreichische Meisterschaften veranstalten könnten.“ Vorher will Sonner aber den Sonntagnachmittag doch noch etwas nutzen und ist mit seinen Laufschuhen schnell wieder fort.