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Der Mann vom ZWM

Text Johannes Reichl Ausgabe 03/2017

Ein bisschen erinnert es an den Spruch „Am Ende kommt zusammen, was zusammengehört“ – tatsächlich hat sich in den letzten Jahren im Magistrat eine neue „Stabsstelle“ herauskristallisiert, die ein bisschen wie das „Superministerium“ anmutet und zahlreiche Kompetenzen wie Tourismus, Marketing, Grundstücksmanagement etc. umfasst.

Die Schlagrichtung offenbart sich dabei im ambitionierten Titel, der „Zukunftsentwicklung“ an die erste Stelle reiht: „Stabsstelle für Zukunftsentwicklung, Wirtschaft und Marketing“. Verkürzt spricht Leiter Christoph Schwarz schlicht vom „ZWM“, und es hat wohl durchaus mit seiner Person selbst zu tun, dass er die diversen Agenden richtiggehend angezogen hat. Spätestens seit er ab 2004 mit ecopoint die Wirtschaftsservicestelle der Stadt aus der Taufe hob und in Folge zu einer Erfolgsgeschichte machte, die ein funktionierendes Scharnier zwischen öffentlicher Hand und Unternehmerschaft etablierte, gilt Schwarz als Hoffnungsträger und Personifikation einer modernen Stadtverwaltung.
Dabei ist Schwarz durchaus ein alter Fuchs, werkt er doch bereits fast 30 Jahre für die Stadt und wurde noch während der Gruber-Ära gestählt, zum anderen ist der 49-Jährige ehemalige Spitzensportler aber eben auch Gesicht einer „jungen“ Führungsgarde, die seit einigen Jahren sukzessive nachdrängt und neue Ideen und Denkweisen verkörpert. So hat Schwarz nichts mit dem aussterbenden Beamtentypus gemein, der zunächst einmal 100 Gründe anführt, warum etwas nicht geht, sondern gilt als lösungsorientiert; er ist auch keiner, der dampfplaudernd den Superhero raushängen lässt, sondern sich an Fakten und Ergebnissen messen lassen möchte. Insbesondere ist er aber ein Teamworker, der von Netzwerken viel hält und weiß, dass es dementsprechender Grundstrukturen braucht, damit diese bestmöglich funktionieren und – im Idealfall – einen hohen Output liefern. Dass dabei in einem „hoheitlichen“ Betrieb manches an politischen Befindlichkeiten zerbröseln mag, nimmt er sportlich, wie er überhaupt die Parteipolitik – obwohl seine Materien höchstpolitisch sind und vielfach auf politischen Leitlinien basieren – versucht außen vor zu halten. „Bei uns geht es bestenfalls um Sachpolitik“, stellt er nüchtern fest, und die basiert auf klaren Strukturen. Wie zum Beweis holt er ein Organigramm hervor, anhand dessen wir die Agenden des ZWM durchackern. Und das machen wir jetzt auch – let’s go.

Zwillinge. Auffallend auf dem Sheet ist zunächst eine Art Doppel-Helix, die sich aus der Zuordnung der Marketing St. Pölten GmbH an das ZWM ergibt, was sich aus der zum Teil selben Auftragslage erklärt: „Es geht darum, die im Masterplan 2020 formulierten Ziele umzusetzen. Da fah-ren wir sozusagen parallel – der hoheitliche Arm ist unsere Abteilung, der privatwirtschaftliche jener der Stadtmarketing GmbH unter Matthias Weiländer“, umreißt Schwarz die Grundstruktur. Wobei die privatwirtschaftliche Schiene ein klassisches private-public-Partnership darstellt, seit Kurzem mit städtischem Mehrheitsverhältnis (60%) in der Eigentümerstruktur. Für Schwarz ein logischer Schritt „weil die Marketing St. Pölten GmbH heute weit über den ursprünglichen Ansatz des reinen City-Marketings hinausgeht“ und damit auch zahlreiche Felder beackert, die eben in Schwarz‘ Resort fallen. Hierarchische Probleme bereitet die Doppelkonstellation nicht. „Wir müssen einheitliche Beschlüsse fassen, das heißt von daher kann sozusagen keiner irgendwelche Alleingänge machen.“ Master Of Money ist freilich Schwarz. Dass es für dessen Einsatz beim Konstrukt der Stadtmarketing GmbH neuerdings keinen Aufsichtsrat mehr gibt, und damit – wie die Opposition zunächst heftig kritisiert hatte – auch kein geeignetes Kontrollinstrumentarium, kann Schwarz so nicht nachvollziehen. „Wir müssen ja jeweils im Juli ein genaues Programm vorlegen, das vom Gemeinderat abgesegnet werden muss. Und an diesen Beschluss haben wir uns selbstverständlich zu halten.“ Damit auch an das dafür zur Verfügung gestellte Budget, das aktuell 1,4 Millionen Euro beträgt – für alle Bereiche des ZWM. „Außerdem müssen wir unsere Arbeit dokumentieren, legen alljährlich einen Geschäftsbericht vor“, betont Schwarz. Was die neue Konstellation aber bringe, sei ein Mehr an Flexibilität. „Ein banales Beispiel. Als der SKN Meister der 2. Liga wurde, haben wir kurzfristig eine Meisterfeier organsiert, die wir im Vorfeld natürlich noch nicht eingeplant hatten – das war vom Ablauf her gar nicht so einfach umzusetzen. Unter den neuen Bedingungen können wir auf derlei Situationen viel leichter reagieren, können Dinge – im Rahmen des vorgegebenen Budgets, das wir selbstverständlich einhalten müssen – umschichten, auch alternativ z.B. über zusätzliche Sponsoringgelder finanzieren.“ Ein langwieriger Institutionenlauf durch sämtliche politsiche Gremien ist bei derlei Angelegenheiten nicht mehr notwendig.

Bildung. Auch Bildungsfragen werden neuerdings vom ZWM strategisch mitgedacht. Die Stadt hat diesbezüglich sogar einen eigenen Bildungsbeauftragten installiert, den ehemaligen Siemens NÖ-Vorstandschef Josef Kollarz-Lackenbacher. Dabei geht es nicht – wie Schwarz erklärt – um die Frage der Stadt als Schulerhalter und dergleichen (Agenden, die in der Schulverwaltung angesiedelt sind), sondern um die Frage der Zukunftsentwicklung und strategischen Ausrichtung in diesem Bereich. „Die Wahrheit ist ja, dass einer Stadt bildungspolitisch vielfach die Hände gebunden sind – wir können z.B. nicht sagen, wir machen jetzt eine Universität. Was wir aber sehr wohl können, ist solides Grundlagenmaterial schaffen und Potenziale aufzeigen.“ Aus diesem Grund wird aktuell ein „Weißbuch Bildung“ erstellt, im Zuge dessen – wohl zum ersten Mal überhaupt in dieser akkordierten Form – eine Erhebung der Bildungspotenziale am Laufen ist, und zwar im Sinne eines Gesamtsamples. Das heißt es geht nicht nur um die Bildungseinrichtungen an sich, sondern auch um darüber hinaus gehende Angebote. „Wir sind schon selbst gespannt auf die Ergebnisse. Vielleicht liegt dann eine Forcierung des Musikbereichs nahe, da gibt es ja z. B. eine tolle Ausbildung am BORG, die Musikschule etc.; oder man konzentriert sich noch stärker auf den Technikbereich, wo wir die HTL, die FH für Bahntechnologie & Mobilität und ähnliches in der Stadt haben, aber auch sehr potente Unternehmen. Vielleicht ergibt sich aber auch etwas ganz anderes, woran wir jetzt noch gar nicht denken“, möchte Schwarz den Ergebnissen nicht vorgreifen. Jedenfalls gelte es im Fall der Fälle gewappnet zu sein. „Wenn etwa auf Bundesebene die Frage nach einer neuen Universität schlagend wird, möchten wir uns ins Spiel bringen, und zwar auf Basis fundierten, gut aufbereiteten Grundlagenmaterials, an dem man sozusagen nicht so leicht vorübergehen kann. Zudem wollen wir – in Analogie zum ehemaligen ‚Wirtschaftlichen Quartett‘ bei ecopoint – eine Art ‚Bildungsweisenrat‘ etablieren, also renommierte Persönlichkeiten gewinnen, die als Fürsprecher auf den verschiedensten Ebenen für St. Pölten als Bildungsstandort lobbyieren.“

EU-Förderungen. Lobbyieren bzw. Fördertöpfe noch besser ausschöpfen möchte man auch auf EU-Ebene – ebenso eine Aufgabe des ZWM. Aktuell am Laufen sind diesbezüglich die Projekte „Smart Pölten & Fittest City“, die seitens der EU in einem ersten Schritt mit bis zu 150.000 Euro unterstützt werden. Kern dabei sind Bürgerbeteiligungsverfahren, etwa – wie im Falle von Smart Pölten – im Rahmen eines konkreten Wohnprojektes. Eine Alibihandlung nach der Facon „wir fragen halt offiziell die Leute, machen dann aber sowieso, was schon fixfertig in der Schublade liegt“, sei das „sicher nicht“, wie Schwarz versichert. „Im Gegenteil, mir schweben auf Sicht so 200-300 Bürger vor, die sich in verschiedenen Bereichen aktiv einbringen.“ Kurzum, es gelte das Potenzial der eigenen Bürger zu heben und noch stärker für die Stadt zu nutzen. In welchen Materien man Partizipationsprozesse jeweils umsetzen kann, müsse sich weisen. Aber gerade im Fall etwa der Revitalisierung alter Siedlungsräume und dergleichen sei dies ein spannender Zugang, „wo die Leute artikulieren können, was ihnen wichtig wäre, was fehlt etc.“ Resultieren aus diesem Prozess sinnvolle Ergebnisse, so darf man auch auf Folge-Förderungen seitens der EU hoffen „und da reden wir dann schon von einer Dreiviertel Million Euro!“ Geld, das Schwarz gerne abschöpfen möchte „quasi, im positiven Sinne, auf Kosten Dritter zum Wohle der Stadt!“
Ecopoint. Das Wohl der Stadt hängt ursächlich, wie Schwarz überzeugt ist, mit einer prosperierenden Wirtschaft zusammen, womit wir zum ecopoint kommen. Die Wirtschaftsservicestelle ist quasi die Mutter aller Schlachten seiner Abteilung. 2004 gegründet, vor allem auch als Schanier zwischen Stadt und Wirtschaft, stellte sie späterhin die Blaupause für die Plattform 2020 dar.
  Der Servicecharakter besteht darin, dass man Unternehmen bei Grundstückssuchen (bis hin zur Einräumung von Baurecht auf städtische Flächen), Behördenwegen, Fördermöglichkeiten etc. aktiv hilft. Es gilt das onestop-Prinzip – keiner soll mehr auf sich allein gestellt durch den Behördendschungel geschickt werden. Schwarz hält es da frei nach dem Slogan „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“ und macht einen kurzen Exkurs in die zirkuläre Prosperitätstheorie: „Wenn wir als Wirtschaftsstandort gut aufgestellt sind, bedeutet dies insgesamt mehr Wirtschaftskraft in und für die Stadt. Allein durch Mehreinnahmen aus der Kommunalsteuer, die seit Jahren nach oben geht, ergibt sich für die Stadt finanziell mehr Gestaltungsspielraum, was insgesamt eine positive Weiterentwicklung zur Folge hat.“ Neue Betriebsansiedlungen (ebenso wie das Halten bestehender) haben zudem unmittelbare Auswirkungen auf den Wohn- und Handelsstandort, weil einerseits durch ein höheres und vielfältiges Arbeitsplatzangebot Bürger in der Stadt gehalten werden, andererseits aber auch neue angelockt werden – einerseits als Einpendler, zusehends aber auch als Zuzügler, wie ein Wanderungsplus belegt. Damit wiederum steigt die Kaufkraft und Nachfrage innerhalb der Stadt, „und dies führt zu einer sukzessiven Verbesserung des Gesamt-Angebotes und damit einer Attraktivierung St. Pöltens.“

Grundstücksmanagement. War  der „ecopoint“ ehemals bei der Baupolizei angesiedelt und damit Teil der Liegenschaftsverwaltung, ist letztere mittlerweile selbst im „Superministerium“ aufgegangen. Für Schwarz stellt die Liaison Wirtschaft-Grundstücksmanagement – im Österreich-Vergleich ein Unikum – den eigentlichen Glücksfall dar, „weil die Materien ja extrem zusammenhängen und das ein zukunftsrelevanter Bereich ist, den man aktiv gestalten muss.“ Aus diesem Grund hat man den „irreführenden Titel ‚Liegenschaftsverwaltung‘ hin zum stimmigeren ‚strategisches Grundstücksmanagement‘ geändert.“
Auf Basis von Stadtentwicklungskonzept, Raumordnung etc. gelte es die Grundstücke akkordiert und planmäßig weiterzuentwickeln und zu verwerten. Zum einen versucht man dies über ein aktives Grundstücksmanagement stadteigener Flächen, wobei die Kommune bestrebt ist, durch Ankauf oder auch Grundstückstausch bestimmte Flächen zu erwerben und – im Idealfall – zu größeren Einheiten zu fusionieren, die dann der Widmung gemäß verwertet und auch diversen Investoren angeboten werden können. Zum anderen, weil eine Zusammenfassung nicht immer gelingt und „wir niemanden enteignen“, ist man aber ebenso bestrebt, den Grundstücksbesitzern mögliche attraktive Verwertungsmöglichkeiten bewusst zu machen. In Kürze lädt man zum Beispiel unter dem Schlagwort „Baulandaktivierung“ zu einer Informationsveranstaltung. Was dort passiert, erläutert Schwarz anhand eines Beispiels. „Ich könnte aktuell jeden Tag fünf Baugrundstücke vergeben, weil die Nachfrage so groß ist – nur wir als Stadt haben nicht immer die passenden Flächen. Vielleicht gibt es aber einen Grundstücksbesitzer, der z. B. ein zwei ha großes, brachliegendes Baugrundstück hat, auf dem man 25 Bauparzellen umsetzen könnte. Dann laden wir diesen ein und eruieren, ob er Interesse an einer diesbezüglichen Verwertung hat. Und so dies der Fall ist, können wir – auf Basis seiner Vorstellungen – als Service unsererseits etwa die gesamte Abwicklung übernehmen, was eine win-win-Situation für alle Beteiligten darstellt.“
Schwarz nimmt sich darüber hinaus auch die Freiheit, dem Abteilungstitel „Zukunftsentwicklung“ entsprechend manch Utopien zu entwickeln, die zunächst noch gar nicht unbedingt auf etwaige gesetzliche Einschränkungen abstellen müssen, sondern eher als Denkanstöße zu verstehen sind. So lässt er etwa bei bestimmten City-Immobilien von Architekten Dachgeschossbauten planerisch umsetzen, um auf die Möglichkeiten der Verdichtung innerstädtischer Flächen zu verweisen. „Und das ist ein absolutes Zukunftsthema, das sehr wichtig für die Stadt ist!“ Ausgestattet mit diesen visionären, aber eben doch in der Grundannahme umsetzbaren Plänen, klappert er dann potenzielle Hausbesitzer ab „für die das vielleicht interessant sein könnte.“

Veranstaltungsservice. Am meisten Staub wirbelte zuletzt die Diskussion um das Büro V auf, dessen Auflösung zunächst nicht die notwendige 2/3 Mehrheit des Gemeinderates erhielt und daher zwischenzeitig  als Verwaltungszombie mit Stammeinlage aber ohne Agenden und Personal dahinsiechte. Mittlerweile ist die Auflösung aber vom Gemeinderat abgesegnet worden. Die Agenden sind bereits gänzlich ins ZWM und die Marketing St. Pölten GmbH gewandert und im „Veranstaltungsservice“ aufgegangen. Für Schwarz ein richtiger Schritt. „Das Büro V hat gute Arbeit geleistet, hat eine Reihe von Stadtveranstaltungen bestens durchgeführt, von Stadtball über Ferienaktionen bis hin zum Bluesfestival oder Volksfest. Ebenso führte bisher aber auch die Marketing St. Pölten GmbH Feste durch, außerdem der Tourismus, etwa das Kellergassenfest. Mit dem nunmehr geschaffenen Veranstaltungsservice wird endlich die gesamte Eventkompetenz der Stadt gebündelt – das macht absolut Sinn!“ Schwarz hat aber ebenso die externen Veranstalter im Visier. Diese sollen in Hinkunft einen jeweils fixen Ansprechpartner haben, der sie quasi wie ein Buddy durch den Behörden- und Bewilligungs-dschungel begleitet. Zudem sollen etwaige Potenziale bestmöglich zum Nutzen aller ausgeschöpft werden, was in einem ersten Schritt zunächst eine Gesamtübersicht über die diversen Veranstaltungen notwendig macht. „Wenn ein Autohaus z.B. ein Auto am Rathausplatz präsentieren wollte, hat es sich bei der Verkehrsabteilung gemeldet. Jemand, der ein Fest am See durchführen wollte, wurde wiederum bei der Stadtgärtnerei vorstellig – und so weiter. Jetzt hingegen läuft das alles über uns, wir wissen, was passiert.“ Damit kann man aber auch etwaige Potenziale besser ausnutzen: „Vielleicht macht es z. B. Sinn, dass das Auto gleich im Rahmen einer Stadtveranstaltung präsentiert wird und sozusagen nicht als eigener Satellit. Für uns hätte das den Vorteil, einen interessanten Zusatzaspekt bieten zu können, das Autohaus wiederum dürfte sich über höhere Wahrnehmung der Aktion freuen. Oder nehmen wir den Töpfermarkt am Rathausplatz, der eine gute Sache ist, manchmal aber unter zu geringer Frequenz leidet, weil er fast zu klein für den großen Platz ist. Vielleicht macht es ja Sinn, diesen näher im Umfeld des Domplatzes anzusiedeln, etwa auch an Markttagen – der Töpfermarkt dürfte sich dadurch über höhere Frequenz freuen, und für die Stadt ist es gut, dass die Veranstaltung quasi gut eingesetzt ist.“  

Marketing. Gut einsetzen, im Sinne der Minimierung von Streuverlusten, möchte Schwarz auch die Marketingmittel. „In der Vergangenheit hat jeder sein eigenes Ding gemacht – das waren oft gute Sachen, die aber ihre gänzliche Schubkraft nicht entfalten konnten, weil die rechte Hand nicht wusste, was die linke tut. Heute können wir konzertiert und zielorientiert vorgehen und damit das Maximum herausholen.“ Gewährleisten soll dies auch die räumliche Zusammenführung sämtlicher ZWM-Agenden im Schuberthaus in der Rathausgasse, wo sozusagen alle unter einem Dach vereint sind. Geht es nach Schwarz, soll zudem ein richtiger Newsroom entstehen, „wo sich alle in die Außenkommunikation Involvierten – also auch Bürgermeistersekretariat, Öffentlichkeitsarbeit und eben wir – austauschen und gemeinsame Strategien entwickeln.“ Social Media Beauftragter inklusive, sieht Schwarz doch gerade in den gar nicht mehr so neuen Medien reichlich Aufholpotenzial für die Stadt. „Denken wir z. B. an die Semesterferienaktion. Es mag sinnvoll sein, diese per klassischer Presse-Aussendung an die Medien zu kommunizieren. Ebenso macht es aber auch Sinn, etwa ein Video von den Kindern in Action online zu stellen.“ Oder auf Facebook ... dazu bedürfte es freilich einer eigenen Facebook-Site. Ebenso wünscht sich Schwarz für die Homepage einen Relaunch insofern, dass man als User in Hinkunft auf der Startseite wählen können soll, ob man Informationen in Sachen Verwaltung braucht, oder ganz allgemein durch die Stadt und ihre Aktivitäten surfen möchte.
Im Hinblick auf die allgemeine Positionierung der Stadt möchte Schwarz St. Pölten v. a. in der Außenwahrnehmung besser „verkaufen“. „In den letzten Jahren hat sich sukzessive ein Selbstbewusstsein der Bevölkerung entwickelt – die Menschen schätzen heute St. Pölten, das war nicht immer der Fall. Jetzt ist es Zeit, unsere Stärken und Besonderheiten auch nach außen zu tragen. Wir müssen nicht mehr im Kabarett für jeden Lacher gut sein, sondern es soll bewusst gemacht werden, wie lebenswert St. Pölten ist, welch tolle Ausstattung wir zu bieten haben – und da können wir mit jeder anderen Hauptstadt mithalten.“ Ganz im Gegenteil stelle die Lage St. Pöltens mittlerweile einen absoluten Standortvorteil dar, „weil wir in der Boomregion Österreichs, dem Osten rund um Wien, liegen. Wir sind jene Hauptstadt, die der Bundeshauptstadt am nächsten liegt – das ist ein Riesenvorteil!“
Einen, den es zu kommunizieren gelte und wofür Schwarz auch das nötige Geld in die Hand nehmen möchte. Kurzum, St. Pölten steht vor einer Imagekampagne, die diesen Namen auch verdient. Wie diese genau angelegt wird, ist noch offen, Schwarz möchte aber „auch Profis mit an Bord holen“, sprich eine Werbeagentur anheuern, „denn wir sind uns sicher nicht zu blöd, uns  Know How auch von außen  zu holen!“

Tourismus. Auch in Sachen Tourismus möchte Schwarz das Profil weiter schärfen. So soll die Hauptstadt, die Teil des Mostviertel Tourismus ist, „noch stärker als eigene Marke positioniert werden „immerhin weisen wir die meisten Nächtigungen und Ankünfte der Destination auf.“ Dieses neue Selbstverständnis und –bewusstsein schlägt sich bereits im Namen nieder, ist nunmehr doch nur mehr vom „Tourismus St. Pölten“ die Rede - das bisherige „Tourismusbüro“ hat ausgedient. Schwarz ist dabei durchaus bewusst, dass St. Pölten nie DIE Sightseeing-Destination werden wird, „aber wir haben eine sensationelle Infrastruktur, die uns für anderes prädestiniert.“ So möchte man etwa – die Nähe Wiens nützend – noch stärker den Geschäftstourismus forcieren „und warum soll nicht etwa auch ein CEO die gute Anbindung St. Pöltens nutzen, bevor er sich nach Wien reinquält und dort das Doppelte für die Nacht bezahlt?“ Zudem gelte es die Knotenfunktion St. Pöltens noch stärker zu positionieren – diesbezüglich möchte Schwarz u. a. auch deutsche Busunternehmer ins Visier nehmen. „Aufgrund der Ruhenszeiten würde sich St. Pölten nämlich als guter Hotspot anbieten!“ Von hier aus könnte man die Bundeshauptstadt, ebenso wie Mariazell oder die Wachau erkunden – und das um einiges stressfreier als wenn der Ausgangspunkt Wien heißt“, ist Schwarz überzeugt.
Potenzial ortet er ebenso im Hinblick auf den Radtourismus – Mut machen ihm diesbezüglich u. a. die positiven Reaktionen der Teilnehmer des IRONMAN 70.3., den Schwarz mit seiner bestzeit-Agentur seit Jahren in St. Pölten umsetzt. „Die Feedbacks der Radfahrer sind großartig, die erkunden ja schon im Vorfeld oft das Umland. Und unsere Radstrecke wurde von den Athlethen zur schönsten Europas gevoted!“ Dabei gehe es weniger um den Traisentalradweg „denn die Zeiten, da man sich nur dem Asphalt hingibt, sind vorbei“, sondern v. a. auch um das schöne, abwechslungsreiche Umland! Schwarz geht diesbezüglich schon mit einer eigenen Drucksorte schwanger, welche die schönsten Routen für die Sportler perfekt aufbereitet zusammenstellen soll.
Positiv blickt er auch der Fortentwicklung des Bettenangebotes entgegen „Ich rechne in den nächsten drei Jahren mit mindestens zwei zusätzlichen Hotels“ (s. auch S. 32), wobei das Interesse von Investoren, wie man hört, noch größer ist. Um auch diesbezüglich professionell gewappnet zu sein  und einen hohen Service zu leisten, hat die Stadt unter Schwarz eine eigene Broschüre mit möglichen Hotelstandorten samt detaillierten Daten zu Grundstück, Umland & Co. erstellt. „Damit kann sich ein potenzieller Hotelinvestor sofort einen Überblick verschaffen.“
Kurzum – und dies zieht sich wie ein roter Faden durch das Superministierum – Schwarz setzt sehr auf Grundlagen-Arbeit. Er möchte sozusagen nicht unvorbereitet sein und dann, wie immer geartete Schnellschüsse machen, sondern soweit wie möglich akkordiert vorgehen und Synergien nutzen. Dass dabei nicht immer alles gelingen wird, dessen gibt sich Schwarz keinen Illusionen hin. „Dort, wo etwas nicht funktionieren sollte, müssen wir es eben nachjustieren oder etwas ganz anderes ausprobieren“ Diese Einstellung unterscheidet ihn von manch Altvorderem, wurde früher doch vieles aus Furcht, es könnte nicht aufgehen, erst gar nicht in Angriff genommen. Das Ergebnis war braves Verwalten des Bestehenden, aber wenig Innovation und Bewegung, ja im schlimmsten Fall Stillstand. Damit scheint es nun endgültig vorbei zu sein – und das passt ganz gut zur allgemeinen Aufbruchsstimmung der Stadt. „Wir machen Zukunft!“ lautete der Millenniumsslogan St. Pöltens zur Jahrtausendwende. Fühlte er sich damals noch wie ein schales Schlagwort ohne wirkliche Substanz und Plan dahinter an, so hätte er heute etwas Schlüssiges, auch Hoffnungsvolles – und Schwarz ist bereit, den Beweis anzutreten. „Messen Sie uns an den Ergebnissen!“


"Wir möchten Grundlagenmaterial schaffen und Potenziale aufzeigen!" Christoph Schwarz

"Im Veranstaltungsservice wird die ganze Eventkompetenz gebündelt." Christoph Schwarz

"Wir sind uns sicher nicht zu blöd, Know How von außen zu holen." Christoph Schwarz