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Chance auf blau-gelben Neuanfang

Text Thomas Schöpf Ausgabe 02/2018

Nach der „Hire-and-Fire“-Politik von Präsident Gottfried Tröstl fungiert nun ein Dreigestirn interimistisch an der SKN-Spitze. Egal, ob der Klub im Juni erst- oder zweitklassig sein wird, die Chance für einen Neuanfang wird es allemal geben.

Wir dürfen uns von den Geschehnissen im Verein nicht beeinflussen lassen und müssen versuchen in Ruhe weiter zu arbeiten“, stellte SKN-Trainer Oliver Lederer nach der 0:4-Packung bei Meister Red Bull Salzburg (bei nur 39 Prozent gewonnenen Zweikämpfen, 32 Prozent Ballbesitz und einer Fehlpass-Quote von 31 Prozent) fest. Dann strich er in seinem „wöchentlich grüßen die geprügelten Wölfe“-Bulletin einmal mehr das Positive heraus, das er gesehen habe.
33 Spieler haben Lederer und sein Vorgänger Jochen Fallmann in der laufenden Saison bis dahin eingesetzt gehabt. Genau so viele wie Salzburg in seiner gesamten letzten Meistersaison. 38 Spielertransfers hatte Sportdirektor Markus Schupp vorgenommen gehabt, bzw. Präsident Gottfried Tröstl („Diese Saison geht noch mehr!“) und Generalmanager Andreas Blumauer abgesegnet, ehe bei einem mehrtägigen „Erdbeben“ vor dem Salzburg-Spiel Tröstl „aus privaten Gründen“ ging und Schupp laut Aussendung wegen „unterschiedlichen Auffassungen“ mit Lederer den Verein verließ.
Zwei Monate davor schlich sich Gründungsmitglied Christian Walter davon. Danach wurde Teammanager Tom Haiderer gekündigt und knapp vor Tröstl gab auch noch Jugendleiter Willi Schmircher auf, mit der Feststellung: „Mir fehlt das Bekenntnis zur Nachwuchsarbeit.“
Damit nach der „Hire-and-Fire“-Politik von Tröstl und Schupp der aktuelle Kampfmannschaftskader „nur mehr“ 32 Spieler ausmacht (18 dürfen Woche für Woche auf das Spieltableu), wurden im Winter von der zweiten Mannschaft bereits aufgestufte Spieler wieder zu den Juniors zurück kommandiert. Ein Fingerzeig der Sonderklasse für alle hungrigen Jungwölfe!

Triumvirat entscheidet

Richtig schlank ist dafür der Vorstand geworden, der derzeit aus dem stellvertretenden Vorsitzenden, Helmut Schwarzl (Geberit), Bauingenieur Gunter Spitzhuetl und der Tiroler Neuerwerbung Martin Platzer (MAPL Beschaffungsberatung und Management GmbH) besteht, aber nach wie vor mehr oder weniger auf die 15-köpfige Delegiertenversammlung („strategisch Partner“) hören muss, der sie als Vertreter ihrer Firmen auch selbst angehören.
Sollte es zur Relegation des SKN gegen den Dritten der Ersten Liga kommen – wofür zumindest drei der vier derzeit in Frage kommenden Gegner (SV Ried, SC Wr. Neustadt, Wacker Innsbruck und TSV Hartberg) die Lizenzbedingungen für die Bundesliga erfüllen müssen – ist die Ausgangslage aus Sicht der Wölfe nicht gerade ideal. Während die Verträge der meisten SKN-Spieler auslaufen und Leihspieler wie zum Beispiel der von Salzburg geliehene David Atanga oder Philipp Malicsek von Rapid sich ein paar Wochen danach wohl unversehrt bei ihren Stammvereinen wieder beweisen wollen, wollen es sich bei den potenziellen Gegnern sicher viele Akteure sportlich wie finanziell verbessern.

Lederers Job auch unsicher
Ob Lederer bei der Relegation überhaupt noch SKN-Trainer sein wird, ist auch nicht sicher. Seine Arbeit wurde bei der vom Ex-Admiraner Wolfgang Gramann (bis 2017 Mediendirektor des ÖFB) geleiteten Pressekonferenz zum Abgang von Schupp von Schwarzl ebenso in Frage gestellt: „Wir müssen uns bundesligatauglich präsentieren.“ Zu Schupp meinte der interimistische Tröstl-Nachfolger dann doch noch: „Er hat seine Zeit bekommen, seine Vorstellungen umzusetzen. Wir konnten nun aber nicht mehr zusehen.“
Blumauer übernimmt derzeit die Agenden des Sportdirektors und wird dabei unter anderem von SKN-Urgestein und Sportbeirat Thomas Nentwich unterstützt. Gut möglich, dass ein neuer Präsident und ein neuer Sportdirektor erst im Juni gefunden werden können.
Egal ob der SKN dann erst- oder zweitklassig sein wird, ein Neustart steht aufgrund der massenhaft auslaufenden Spielerverträge ohnehin an. Dass sich der Sportklub Niederösterreich dann wieder auf seine blau-gelben Wurzeln besinnen wird, ist sehr wahrscheinlich. Schwarzl stellte nämlich auch fest: „Junge Spieler müssen wieder unbedingt zum SKN wollen. Wir können sie hier nach der Akademie weiter ausbilden und sie danach immer noch, gereifter, den Sprung ins Ausland wagen.“ Und auch Platzer stellte die „SKN-Familie“ bewusst in den Vordergrund: „So einen Zusammenhalt wie hier beim SKN habe ich bei anderen Vereinen noch nicht gesehen.“ Sowohl Schwarzl als auch Platzer machten jedoch auch klar, dass sie in ihren „Brotberufen“ mindestens ebenso gebraucht werden und nur eine geringe Anzahl an Stunden pro Woche für den SKN tätig sein können. Professionell ist das dauerhaft auch wieder nicht.
www.skn-stpoelten.at