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Carambolagen - bei uns nur im Einkaufszentrum

Text Thomas Schöpf Ausgabe 10/2007

Pool-Billard kann bald wer spielen, schnell sind die ersten Bälle versenkt. Snooker mit den kleineren, abgerundeten Taschen und kleinen Kugeln ist ungleich schwerer. Carambol (es gibt keine Löcher, der Spielball muss die beiden anderen treffen) stellt für viele die Königsdisziplin dar. Österreichs Asse fristen aber ein Schattendasein.

Ken Doherty wurde 1998 Vizeweltmeister im Billard. Der 38-Jährige hat bislang knapp fünf Millionen Euro Preisgeld eingestreift. Andreas Efler wurde 1998 Vizeweltmeister im Team-Billard. „Ich kann mich gerade noch durchwurschteln“, sagt der 39-Jährige. Der feine Unterschied: Der Ire Doherty spielt Snooker, der Österreicher Efler Carambol.
Während Doherty die Kugeln meist vor einem TV-Millionenpublikum in Großbritannien einlocht, macht Efler seine Carambolagen häufig vor ein paar Dutzend Kiebitzen in Österreichs Einkaufszentren. Wie zuletzt im St. Pöltner Traisenpark. Dort bezwang er in einem denkbar knappen Endspiel Gerhard Kostistansky 40:39. Man ist fast geneigt zu vermuten, die zwei hätten sich das spannende Finish ausgemacht, um die Zuschauer leichter für ihre geliebte Sportart zu begeistern. Die beiden kennen sich nämlich bestens, holten 1998 gemeinsam WM-Silber.
Seit 2005 machen sie für die neu gegründete National Billard League (NBL) Werbung in eigener Sache, treten an Schauplätzen wie der Lugner City, dem Magna Racino oder eben im Traisenpark auf, um den Dreiband Billard Sport hierzulande populärer zu machen. Das Ambiente empfindet Efler, Nr. 1 im NBL-Ranking, keineswegs als störend: „Ich weiß nachher nicht, ob sie im Einkaufszentrum Musik gespielt haben oder ob Kinder herumgelaufen sind. Ich bin so mit meinen Bällen beschäftigt, dass ich gar nichts mitkriege.“ Er könne daher die gleiche Leistung abrufen, wie bei Weltcup-Turnieren im Ausland, in weitaus gediegenerer Atmosphäre.
Ob Efler aber jemals in die Verlegenheit kommen wird, anstelle des Bundesadlers einen Werbebutton auf seiner Brust zu platzieren (Doherty bekommt dafür jährlich einen sechsstelligen Betrag von einem Wettbüro), ist äußerst fraglich. Vielmehr darf er darauf hoffen, dass sich sein Buch „Faszination Dreiband-Billard“ weiter gut verkauft. „Es erscheint jetzt auch in Spanien. Da wird wieder was reinkommen“. Sonst könnte seine Kunst für ihn gar brotlos werden. „Solange das Fernsehen nicht einsteigt, wird sich nicht viel bewegen“, bleibt Efler Realist.
Dabei hat Dreiband-Billard in Österreich durchaus seine Tradition. In St. Pölten wurde in den 30er-Jahren in den Café-Häusern viel Billard gespielt, hauptsächlich Carambol und Pool. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Domcafé am Herrenplatz das Billard-Lokal. Derzeit gibt es drei Klubs. Beim „1. St. Pöltner Billardclub“ wird seit 1989 in Witzendorf im Gasthaus Goiser Carambol gespielt. Der „PBC Top Pool“ ist in Viehofen in der Austinstraße zu Hause und der Klub „Pool Planet“ in der Hessstraße. Deren Mannschaften spielen derzeit in der 1. Landesliga. Eine mögliche neue Heimstatt für Pool-Billardfreunde wird wohl NXP Bowling mit sechs Tischen. Snooker-Tisch gibt es in St. Pölten übrigens nur einen, im „Pool Planet“ - hinter den Flippern.